Kreditaufnahme – Diesen teuren Fehler machen Tausende Immobilienkäufer

Die Suche nach dem richtigen Eigenheim nimmt oft viel Zeit in Anspruch – die Wahl des dazugehörigen Kredits dagegen weniger. Nach wie vor verzichten viele Immobilienkäufer auf eine gründliche Recherche der möglichen Finanzierungskonditionen – und verschenken damit viel Geld.
Hamburg – Smartphones, Schuhe, Reisen – was auch immer das Objekt der Begierde sei, vor dem Kauf hat sich ein großer Tel der Verbraucher inzwischen angewöhnt, den Markt ausgiebig zu scannen und zahlreiche Offerten miteinander zu vergleichen. Auch Haus- oder Wohnungskäufer sondieren in der Regel bei verschiedenen Maklern sowie auf Onlineplattformen das Sortiment, bevor sie sich für ein Objekt entscheiden. Geht es dann jedoch um die Finanzierung der Immobilie, hört bei vielen die Begeisterung für die Recherche auf.
Das zeigt zum Beispiel eine Studie, die jüngst in den USA veröffentlicht wurde. Demnach verzichten in den Vereinigten Staaten – wohl gemerkt, der Heimat von Silicon Valley, von Google , Amazon und Ebay – beim Erwerb einer Immobilie noch immer beinahe 80 Prozent aller Käufer auf einen Vergleich verschiedener Finanzierungsanbieter. Etwa die Hälfte der Betroffenen ziehen es von vornherein nicht einmal in Erwägung, ein zweites oder drittes Angebot einzuholen, berichtete kürzlich das „Time“-Magazin aus der Untersuchung des Consumer Financial Protection Bureaus.
Die Immobilienkäufer machen damit einen teuren Fehler. Nach Angaben des „Time“-Magazins verpassen diejenigen, die gleich beim ersten Kreditangebot unterschreiben, 0,5 Prozentpunkte Zinsvorteil und mehr. Bei einer durchschnittlichen Finanzierung über 30 Jahre mit einem Volumen von beispielsweise 200.000 Dollar könne das über die gesamte Laufzeit einen Unterschied von 21.000 Dollar ausmachen, so „Time“. Mit anderen Worten: Wer sich richtig informiert, bevor er ein Hypothekendarlehen abschließt, kann langfristig genug sparen, um sich ein zweites Auto anschaffen zu können.
So dramatisch wie in Übersee ist die Situation in Deutschland Experten zufolge wohl nicht. Eine Umfrage, die die Plattform Immobilienscout24 durchführen ließ, kam beispielsweise zu dem Ergebnis, das Kreditnehmer hierzulande im Schnitt vier Angebote einholen, bevor sie einen Vertrag unterzeichnen. Lediglich jeder zehnte, so das Ergebnis der Befragung, hatte nur eine Offerte eingeholt.
Deutsche besser informiert als Amerikaner
„Generell schätze ich in Deutschland den Grad der Aufklärung über Finanzierungsthemen deutlich höher ein als in den USA“, sagt vor dem Hintergrund Ralf Weitz, Leiter der Abteilung Baufinanzierung bei Immobilienscout. „Hierzulande ist es den Menschen bewusst, dass sich gerade ein Baufinanzierungskredit sehr langfristig auswirkt – daher ist das Bedürfnis, sich zu informieren und Konditionen zu vergleichen, entsprechend hoch.“
Der Umfrage für Immobilienscout24 liegt allerdings eine Stichprobe mit lediglich etwas mehr als 500 Teilnehmern zugrunde. Und mancher Beobachter erzählt von anderen Erfahrungen.
Nach Ansicht von Christian Kraus von der Finanzierungsplattform Interhyp etwa ist es hierzulande durchaus weit verbreitet, sich auf Onlineseiten oberflächlich über verschiedene Konditionen zu informieren. Eine tiefere Recherche finde jedoch weniger statt, so Kraus. Vor allem bei der Anschlussfinanzierung, wenn also bereits bestehende Haus- oder Wohnungsdarlehen verlängert werden müssten, sei dieser Missstand zu beobachten.
Kraus macht das auch an Zahlen fest. So betrage das Gesamtvolumen neuer privater Immobilienfinanzierung in Deutschland jährlich etwa 200 Milliarden Euro. Der Marktanteil der Online-Immobilienkreditbroker daran sei schwer einzuschätzen, dürfte sich aber zwischen 10 und 20 Prozent bewegen, so Kraus. Interhyp als Marktführer in dem Bereich kommt seinen Angaben zufolge auf einen Anteil von etwa 5 Prozent am Gesamtgeschäft.

2. Teil: Immobilienkäufer können mehrere Tausend Euro im Jahr sparen
Nach Einschätzung des Branchenkenners hat das viele Gründe. „Viele Menschen scheuen einfach die vermeintliche Mühe eines Bankwechsels“, sagt er. „Aber natürlich lassen sich viele Kunden auch bei uns beraten und nutzen das Ergebnis dann, um bei ihrer Hausbank bessere Konditionen herauszuschlagen.“
Auch Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Uni Regensburg, hält es nach wie vor für einen klassischen Fehler, dass sich Immobilienkäufer bei der Kreditsuche vor allem an ihre Hausbank wenden. „Diejenigen, die im Internet suchen, sind sehr preissensibel“, sagt er. „Mit einer vernünftigen Recherche kann man viel Geld sparen.“
Laut Sebastian können Immobilienkäufer auch hierzulande durch Vergleich möglichst vieler Offerten 0,1 bis 0,25 Prozentpunkte bei den Zinskonditionen sparen. Auf die Weise kommen jährlich schnell „ein paar Tausend Euro zusammen“, sagt der Experte.
Er hat allerdings auch Verständnis für Leute, die vor dem Gang zum Onlinebroker zurückschrecken. „Der Wechsel von der vertrauten Hausbank zu einem anonymen Institut, zu dem der Kontakt über das Internet entstanden ist, will gut überlegt sein“, sagt Sebastian. „Das ist auch eine Vertrauensfrage.“